Interior Design - 14. August 2017
Küche 2.0: Die Zukunft wird in Stein gekocht

„Akzente, Baby, Akzente!“ Würde man eine Küche heute auf den Laufsteg schicken, dann wäre das heute der Zuruf der Designer. Denn mit Metall, Stein und Licht lässt sich jeder Küche eine ganz individuelle Note verleihen.

Morgen, mittags, abends. Die Küche ist neben dem Schlafzimmer jener Bereich, wo in den eigen vier Wänden am meisten Zeit verbracht wird. Nicht umsonst hat Bereits der deutscher Liedermacher Reinhard Mey einst ein Hohelied auf seinen Lebensraum angestimmt – mit dem Titel „Ich liebe meine Küche“. Darin heißt es: „Wir sind ein schönes Paar. / Ich mag ihre Gerüche / und ich mag ihr Inventar. / Da sind noch andre Zimmer, doch darin bin ich kaum. / Irgendwas zieht mich immer / Fort zurück in diesen Raum. / Und ich spür’ ganz deutlich während jedes Schmauses: / Die Küche ist das Herz des ganzen Hauses!“Die beiden „M“: Marmor & MetallLanglebige Materialien liegen voll im Trend. Das zeigt der Blick in die aktuellen Hersteller-Kataloge, Kochbücher und auch auf die Internet-Profile so mancher Promiköche. Denn wer was auf seine eigene Küche hält, postet sie selbstverständlich.

Ob im modernen Industrie-Chic oder in kitschiger Retro-Stil: Auffällig ist der vermehrte Einsatz von Stein – allen voran Marmor. So als wäre der US-Staatsmann Benjamin Franklin plötzlich unter die Möbeldesigner gegangen, als er einst gesagt haben soll: „Schreibe Kränkungen in Sand, Wohltaten in Marmor.“ Das steinerne Prinzip gilt also vorzugsweise für die Arbeitsflächen, die nun im Gegensatz zu früheren billigen Furnierhölzer in Stein-Optik tatsächlich aus edlem Stein sind. Oder wenn es etwas günstiger sein soll, aus knallhartem Beton. Der Vorteil liegt auf der Hand: Mit scharfen Messern lässt sich direkt auf der Oberfläche arbeiten! Nicht zu vergessen die Pflegeleichtigkeit und Langlebigkeit.  Aber auch die damit erzielbaren optischen Akzente (Baby, Akzente!) sind der letzte Schrei. Denn in Kombination mit dunklen, meist naturbelassenen Hölzer ergeben sich unzählige, spannende Gestaltungsmöglichkeiten. Dasselbe gilt übrigens für Metall, das wieder zunehmend in der Küchengestaltung zum Einsatz kommt. Jahrelang als billige und seelenlose Alternative zum „warmen Holz“ abgetan, überzeugt nun die natürliche Schlichtheit der verschiedenen Metalle. Bronzene Oberflächen sowie stählerne Metallfronten sind ebenso möglich, wie die Armaturen so einen ganz neuen Touch bekommen.

LED, Lüfter & Co: die Hightech-Küche
Wesentlich für den richtigen „Wellness“-Faktor am Herd sind die Lichtverhältnisse. Wer die Möglichkeit hat, kann mit der Position der Kochzeile sehr viel natürliches Licht nutzen. Doch an den dunklen Stellen, braucht es nicht nur nachts eine entsprechende Beleuchtung. Moderne LED-Module ermöglichen hier eine punktgenaue Steuerung des Lichtstrahls und verleihen mit unterschiedlichen Farbtönen zudem weitere Akzente (Baby, Akzente!).
Stark im Trend liegen aktuell auch Lichtstreifen, die direkt unter den Oberschränken oder um die Arbeitsplatte verlaufen. Zusammen mit den Nischenrückwänden ergibt sich damit eine besondere Tiefenwirkung des Küchenblocks. Hier setzen fast alle Hersteller aktuell auf Nischenrückwände im Mosaik- oder Fließenlook. Eher dezent gestaltete Küchen kommen so besser zur Geltung.

Dunstabzug nach unten, statt nach oben
Die gute alte Abzughaube gehört hingegen endgültig in den Sperrmüll! Die Hersteller von Kochfeldern und Backöfen setzen durchwegs auf neue Entlüftungsysteme. Der Hauptgrund ist schlichtweg ein optischer, denn Dunstabzüge, bei denen die Abluft nach unten hin abgesaugt wird, lassen sich besser mit frei im Raum stehenden Kochinseln kombinieren. Steht der Herd hingegen an der Wand, ergibt sich so darüber mehr Platz. Die Funktion selbst ist bei allen Modell dieselbe Die „Mulden“ befinden sich direkt neben oder mitten auf dem Kochfeld. Spezielle Klappen verschließen die Öffnung, wenn sie nicht gebraucht wird.
Wobei dies nur die erste Revolution am Herd ist. Denn die Küche der Zukunft kann noch mehr – mit multimedialer Applikationen oder sensorischer Steuerung. Nur eines ändert sich nie: Selbst gekocht schmeckt es zu Hause noch immer am besten!