Bautipps - 26. Mai 2019
Energie, die aus unserer Umwelt kommt

Dass Erdöl und Erdgas zur Neige gehen, ist so sicher wie das Amen im Gebet. Daher gilt es umzudenken – im Kleinen wie im Großen, bei Sanierungen ebenso wie bei Neubauten. Wer hier auf Sonnenenergie, Erdwärme und Biomasse setzt, geht mit Sicherheit den richtigen Weg.

Allein dieser Vergleich sollte die größten Sonnenenergie-Skeptiker zum Umdenken bringen: Die Sonne liefert dem Planeten Erde jährlich eine derart große Energiemenge, dass damit der weltweite Energiebedarf eigentlich 10.000 Mal abgedeckt werden könnte. Aber auch die Erde selbst ist – physikalisch betrachtet – eine fast unerschöpfliche Energiequelle, gibt ihrerseits täglich zweieinhalb Mal so viel Energie ins Weltall ab als die gesamte Weltbevölkerung benötigen würde. Und dennoch setzen die Menschen weiterhin auf fossile Energiequellen wie Erdöl oder Erdgas, die erstens in absehbarer Zukunft versiegen werden und zweitens starken wirtschaftlichen Interessen unterliegen.

Doch ein Umdenken hat eingesetzt, auch im Bausektor. Denn immer mehr Bauherren setzen bei Sanierungen oder Neubauten (auch) auf alternative Energiequellen, die vor allem eines sind: erneuerbar und direkt aus unserer Umwelt gewonnen.

Die Energie der Zukunft

Sonnenenergie und Erdwärme sind hier die beiden Schlagworte der Gegenwart. Beide Formen der Energiegewinnung sind

CO2-emissionsfrei und mittlerweile teils auch günstiger bzw. effizienter im Vergleich zu fossilen Brennstoffen. Die Sonnenenergie kann mit geringstem Aufwand genutzt werden, auch weil im Bausektor auf einen reichen Schatz an Erfahrungswerten zurückgegriffen werden kann. Die Nutzung der Erdwärme hingegen ist mit einer intensiveren Planung verbunden, hat jedoch der Sonnenenergie gegenüber den Vorteil, dass sie unabhängig vom Wetter und vom Klima rund um die Uhr zur Verfügung steht. Auch bleibt die gelieferte Energiemenge konstant.

Weder mit Solarthermie- noch mit Geothermie-Anlagen sind große bauliche Eingriffe verbunden, und sie lassen sich – je nach Standort – problemlos kombinieren: Geschickt angebrachte Sonnenkollektoren liefern Warmwasser für das Haus und unterstützen gegebenenfalls auch die Heizanlage. Die Geothermie-Anlage hingegen funktioniert wie ein „umgekehrter Kühlschrank“ – je nach Bedarf werden zwei oder mehrere Sonden in der Erde versenkt, eine Wärmepumpe sorgt dann für das notwendige Warmwasser und vor allem für die Beheizung (gegebenenfalls auch Kühlung) des Gebäudes. Die Wärmepumpen-Technologie ist übrigens nicht zwangsweise an Erdsonden gebunden, sondern es gibt darüber hinaus auch sogenannte Luft-Wasser-Wärmepumpen, die die natürliche Umgebungsluft nutzen, sowie Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die die Wärme aus dem Grundwasser verwerten.

Biomasse: Zurück zum Holz als Energiequelle

Allerdings gibt es in einem Land wie Südtirol aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit und gebirgigen Topografie nicht überall in gleichem Maße die Möglichkeit, auf die zuvor genannten Energielieferanten zu setzten. Hier ist bei der Energieversorgung des Eigenheims die „lokale Biomasse“ eine wichtige Alternative. Holz boomt wieder, nicht erst seit den schlimmen Waldschäden des vergangenen Winters. Insbesondere Hackschnitzel-Anlagen lösen hierzulande immer mehr alte Öl- bzw. Gasheizungen ab, auch weil der Umbau keine Hexerei ist. Die Hackschnitzel (Pellets) sind ein günstiger und umweltfreundlicher Brennstoff, der direkt aus der heimischen Natur stammt. Insofern ist der ökologische Fußabdruck von Pellets in Sachen Lieferung und Erneuerbarkeit sehr gering, und moderne Hackschnitzel-Heizanlagen sind im Vergleich zu Heizanlagen für fossile Brennstoffe um ein Vielfaches umweltverträglicher. Die CO2-Menge, die bei der Verbrennung von Hackschnitzeln freigesetzt wird, entspricht genau jener, die beim Wachstum der Hölzer in diese eingebunden wurde. Von Feinstaub und Stickstoff-Belastung hingegen ist dabei erst recht keine Rede. Durch den Einsatz des biogenen Energieträgers Holzhackschnitzel wird außerdem die wirtschaftliche Abhängigkeit von Öl und Gas reduziert – und das hat einen weiteren Vorteil: Das Eigenheim der Gegenwart ist schon jetzt zukunftssicher.