Bautipps - 4. März 2018
Doppelt geschützt

Dämmung und Schallschutz? Das muss kein Widerspruch sein. Richtig kombiniert, lassen sich Energiesparen und Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden leicht erreichen. Entscheidend ist dabei die Wahl der Materialien.

Das Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden ist immer eine multifaktorielle Angelegenheit: Temperatur, Licht und Akustik sind ausschlaggebend, ob die Wohnqualität den eigenen Ansprüchen genügt.

Entsprechend sollte bei der Wahl der Baumaterialien bei Neubau oder Sanierung immer auch auf die „Nebenwirkungen“ geachtet werden. Denn: Nicht jeder Dämmstoff gewährleistet perfekten Lärmschutz, und nicht jede Lärmdämmung ermöglicht eine hochprozentige Dämmleistung.

Ein wesentlicher Faktor ist hierbei die Bauart und Form eines Gebäudes, denn Schallwellen breiten sich ganz anders in einem Baukörper aus als die Temperatur. Das bedeutet konkret: Beim Schallschutz ist die Masse ausschlaggebend. Ein schwerer Baukörper lässt sich durch Schallwellen nicht in Schwingung versetzen, sondern schluckt den Lärm. Die Schallübertragung wird so verhindert. Hohlräume hingegen – etwa in Decken – wirken als natürliche Schall-Verstärker.

Bauteile und Dämmung in Einklang bringen

Eine Dämmung aus mineralischen Schütt-Dämmstoffen beispielsweise verleiht Bauteilen mehr Gewicht. Hohlräume in Decken oder Wänden lassen sich  recht einfach mit Dämmgranulat füllen.  Dämmplatten aus Mineralwolle hingegen schlucken durch ihre offene Faserstruktur eindringende Schallwellen und bieten so einen hervorragenden Schallschutz. Das gilt für den Luftschall, verursacht durch laute Musik oder Lärm von außen, ebenso wie für Trittschall, der durch Bodenbeläge wie Laminat oder Parkett entsteht. Selbst Geräusche von Rohrleitungen lassen sich mit einer richtigen Dämmung deutlich reduzieren.

Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen mit guten schalltechnischen Eigenschaften sind beispielsweise Kokosfasern sowie Zellulose und Holzfaser. Dämmstoffe aus Polystyrol oder Polyurethan haben zahlreiche andere Vorzüge, jedoch weisen sie tendenziell schlechtere Schalldämmwerte auf.

Nicht nur Luftschall (Verkehrslärm oder laute Musik), auch die Übertragung von Trittschall von einem Raum zum anderen kann den letzten Nerv rauben. Am häufigsten stören die Schallgeräusche aus Wohnräumen im Obergeschoss. Am wirksamsten ist hier ein schwimmender Estrich, der vollkommen frei von Schallbrücken erstellt wird. Und je nach Material und Deckenkonstruktion lässt sich schon mit einer 20 bis 30 Millimeter dicken Trittschall- oder Fußbodendämmung eine Verbesserung beim Trittschallschutz erzielen.

Materialwahl mit Umweltbewusstsein

Wer als Bauherr nachhaltig denkt, sollte aber schon jetzt bei der Wahl der Dämm-/Schallschutzstoffe an das Recycling bzw. den ökologischen Fußabdruck denken. Die Rückbau- und damit Recyclingfähigkeit einer Dämmung ist vor allem von der Einbauart abhängig: Schüttungen, Einblasdämmungen sowie in Hohlräume eingelegte Dämmmatten, aber auch mechanisch befestigte Dämmplatten können leicht abgesaugt bzw. ausgebaut werden. Wird das Dämmmaterial hingegen mit dem Untergrund verklebt oder im Materialverbund z.B. mit Putzmörteln als Wärmedämmverbundsystem eingesetzt, erschwert dies den zerstörungsfreien Rückbau erheblich – und der Aufwand für ein Recycling steigt.

Und es muss nicht immer Chemie sein: Zu den modernen Dämmstoffen aus biogenen Materialien zählen beispielsweise Holzfaser-Dämmplatten, Zelluloseflocken oder -Dämmplatten, Hanf- und Flachsdämmstoffe, Korkdämmplatten, Stroh- und Schafwolledämmung. Dämmstoffe aus biogenen Rohstoffen können zudem gemeinsam mit anderen Abfällen aus brennbaren Baumaterialien in Abfallverbrennungsanlagen thermisch verwertet werden.